Die SPD-Fraktion im Dresdner Stadtrat trauert um Greta Wehner

Die SPD-Fraktion im Dresdner Stadtrat trauert um Greta Wehner, die am 23. Dezember 2017 in einem Dresdner Krankenhaus verstorben ist. 

Fraktionsvorsitzender Christian Avenarius erklärte:

Wir verneigen uns vor Greta Wehner mit tiefer Sympathie und großem Respekt vor ihrer beeindruckenden Lebensleistung. Sie wird uns immer ein Vorbild bleiben.“

Zur Biographie der Verstorbenen hat die Herbert- und Greta Wehner- Stiftung am 27. Dezember 2017 auf ihrer Internetseite u.a. Folgendes veröffentlicht:

Greta Wehner kam am 31. Oktober 1924 in Harxbüttel bei Braunschweig als ältestes von zwei Kindern des Schiffszimmermanns und Bootsbauers Carl Burmester und der Gärtnerin Charlotte Burmester, geborene Clausen, zur Welt. Beide Eltern betätigten sich aktiv im Widerstand gegen die Nazis. Der Vater kam 1934 in der Gestapo-Haft in Hamburg ums Leben, die Mutter kam ebenfalls ins Gefängnis. Als ihr 1937 eine er­neute Verhaftung drohte, floh sie mit ihren Kindern über Dänemark nach Schweden. Dort lernte Lotte Burmester 1944 den bedeutenden Politiker Herbert Wehner (Dresden 1906 – 1990 Bonn) kennen, mit dem sie nach Kriegsende 1946 nach Ham­burg zurückkehren konnte.Unterdessen arbeitete Greta Burmester in Schweden als Kinderkrankenschwester. Nach kurzer Tätigkeit in diesem Beruf konnte sie 1947 nach Hamburg übersiedeln. Sie machte eine Ausbildung zur Sozialfürsorgerin und war als solche beruflich tätig bei der Arbeiterwohlfahrt in Moers sowie beim Landkreis Offenbach am Main. Eben­falls 1947 trat Greta Burmester der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands bei, in der sie stets aktiv war, ohne besonders hervorgehobene Ämter zu bekleiden.

Quelle: © Herbert-und-Greta-Wehner-Stiftung

Als ihre Mutter im Sommer 1953 als Spätfolge ihrer NS-Haft schwer chronisch er­krankte, bat der Bundestagsabgeordnete Herbert Wehner Greta Burmester, ihren Be­ruf aufzugeben und ihm und seiner Frau in Bonn zur Seite zu stehen. Ihre Entschei­dung, diesem Hilferuf zu folgen, hatte tiefgreifende Folgen. Greta Burmester wirkte nun keineswegs nur im Haushalt mit. Sie machte den Führerschein und wurde Her­bert Wehners Fahrerin. Sie führte seinen Terminkalender und organisierte die politi­schen Abläufe. Sie begleitete ihn auf Reisen und zu anderen politischen Ter­minen. Als sich 1966 ein schwerer Dia­betes bei Herbert Wehner bemerkbar machte, über­nahm Greta Burmester seine gesundheitliche Betreuung. In den 1970er Jahren, bei Wehners Bemühen um Familienzusammenführung und Häftlingsfreikäufe im geteil­ten Deutschland pflegte Greta Burmester den Kontakt zu den Betroffenen und sorgte im Hintergrund für reibungslose Abläufe. Greta Burmester war Herbert Wehners wichtigste Mitarbeiterin – ohne sie hätte er die letzten dreißig Jahre seines politi­schen Lebenswerks nicht meistern können.

Lotte Wehner, Gretas Mutter, starb 1979. Nachdem er aus dem Bundestag ausge­schieden war, heirateten Herbert Wehner und Greta Burmester am 16. Mai 1983 in Bonn. Für beide war dies die Bestä­tigung eines langen gemeinsamen Weges, und für Herbert Wehner erwies sich diese Ehe als lebensnotwendig. Denn er erkrankte bald an einer durch den Diabetes ent­standenen Demenz, und die letzten Jahre bis zu Wehners Tod in Bonn am 19. Januar 1990 waren Jahre der aufopferungsvollen und umsichtigen Pflege durch seine Frau.

Mit dem Tod ihres Mannes begann ein neuer Lebensabschnitt für Greta Wehner. Sie engagierte sich in der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft, hielt Vorträge zum Thema Pflege von Menschen mit Demenz. Sie kam immer öfter in den neu hinzugekomme­nen Osten Deutschlands, unter anderem nach Brandenburg und Sachsen, wo sie den dortigen Sozialdemokraten Mut machte und wo sie Verbundenheit zu den Menschen dort spürte. Der Gedanke, „etwas von Herbert in seine Heimat zurückzubringen“, führte zu einer weiteren tiefgreifenden Entscheidung. Greta Wehner beteiligte sich an der Gründung des Herbert-Wehner-Bildungswerks in Dresden und wurde die Ehren­vorsitzende von dessen Förderverein. Sie selbst zog im Juni 1996 von Bonn nach Dresden um. Die Wohnung im Stadtteil Leubnitz-Neuostra enthält die gesamte Ein­richtung sowie die Buch- und Archivbestände der Wehner‘schen Reihenhauswohnung in Bonn.

Im Jahre 2003 gründete Greta Wehner die Herbert-und-Greta-Wehner-Stiftung. Dabei ging es ihr darum, ihr Unterstützungswerk für die politische Bildung in Wehners Hei­matland Sachsen nachhaltig zu machen und seinen Fortbestand weiter zu sichern. Zu Greta Wehners 80. Geburtstag gab die Stiftung die Sammlung ihrer Reden „Erfah­rungen. Aus einem Leben mitten in der Politik“ (edition SZ, 2004) heraus. Als Stifterin unterstützte Greta Wehner die von Christoph Meyer verfasste Biographie „Herbert Wehner“ (dtv-Verlag, 2006) und konzentrierte ihre Spenden fortan auf den Erhalt und den Ausbau von Archiv und Bibliothek der Stiftung. 2010 verlieh der Bundespräsident ihr das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Die damit verbundene Fahrt nach Berlin war Greta Wehners letzte Reise; in den Jahren danach forderten gesundheitliche und al­tersbedingte Einschränkungen zunehmend ihren Tribut. Aber Greta Wehner blieb eine scharfsinnige Beobachterin des Geschehens um sie herum und in der Welt. Und – das war ihr besonders wichtig – sie lebte, bis fast zuletzt, selbstbestimmt.“

 

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