Grundsätze für die Stadtgestaltung

ANTRAG – Interfraktionell:
Fraktionen SPD
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
DIE LINKE.

Aktueller Stand im Ratsinfosystem

Beschlussvorschlag:

Der Oberbürgermeister wird beauftragt,

1. Empfehlungen für Gestaltung, Architektur und Stadtplanung in Dresden zu erstellen und der Gestaltungskommission Dresden zur Diskussion sowie dem Ausschuss für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr zum Beschluss vorzulegen. Die Empfehlungen sollen als eine Hilfestellung für das Einfügen neuer Bauwerke in die Umgebungsbebauung dienen sowie Bauqualität und das Gestalten neuer Bauwerke und Stadtquartiere fördern. Die Veranschaulichung soll mithilfe von Positivbeispielen erfolgen.

2. hierfür insbesondere folgende Themen herauszuarbeiten:

a. Gestaltung und Gliederung von Gebäuden und Plätzen in proportionierten Rhythmen, die dem menschlichen Maßstab entsprechen

b. Herausbildung von abwechslungsreichen Dachlandschaften/ Dachgestaltungen

c. Gestaltung und Betonung von Eckgebäuden (Eckabschrägungen, Türme, etc.)

d. Gestaltung ansprechender Eingangssituationen in Gebäude

e. gestalterisch geeignete Einbeziehung von Bauwerksbegrünung/ Dachbegrünung und weitere Maßnahmen zur Klimawandelanpassung (z. B. Hitze abweisende Farbgestaltung, Verschattung)

f. Vorschläge für regionaltypische Farbgebungen

g. Einbeziehung und Förderung von Kunst am Bau

3. in Verhandlungen mit Bauherren und Projektentwicklern darauf hinzuwirken, dass die Empfehlungen umgesetzt werden.

4. Bei künftigen Werkstattverfahren, Architektenwettbewerben und ähnlichen Verfahren die Empfehlungen in der Aufgabenstellung in geeigneter Weise zu berücksichtigen.

5. Die Empfehlungen in regelmäßigen Abständen gemeinsam mit der Gestaltungskommission Dresden und dem Ausschuss für Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften fortzuschreiben.

Beratungsfolge:

Ältestenrat 24.09.2018 nicht öffentlich beratend
Dienstberatung des Oberbürgermeisters nicht öffentlich beratend
Ausschuss für Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften nicht öffentlich 1. Lesung (federführend)
Ausschuss für Kultur und Tourismus (Eigenbetrieb Heinrich-Schütz-Konservatorium) nicht öffentlich beratend
Ausschuss für Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften nicht öffentlich beratend (federführend)
Stadtrat öffentlich beschließend

 

Begründung:

Informelle Empfehlungen können die architektonische Qualität von Bauwerken steigern, indem sie den Beteiligten verdeutlichen, welche Erwartungen an die Gestaltung gesetzt werden und Positivbeispiele aufzeigen. So hat beispielsweise München in der Gestaltungsrichtlinie „Altstadtensemble München. Leitlinien zum Planen und Bauen” gestalterische Zielsetzungen für das Bauen in der Altstadt festgeschrieben. Die Gestaltungsempfehlungen sind ein unverbindliches Hilfsmittel für Bauinteressierten, Architekten und Stadtplanern, das gleichzeitig den Stand der städtischen Diskussion zur architektonischen Gestaltung darstellt. Mit diesem Antrag sollen Dresden-weite Empfehlungen erarbeitet werden, die Grundprinzipien anhand von Positivbei-spielen darstellen.

Die Einreicher sehen den Bedarf auf folgende Merkmale bei der Gestaltung von Gebäuden besonders zu achten:

Gestaltung und Gliederung im menschlichen Maßstab:

Bestimmte Längen und Breitenverhältnisse von Gestaltungselementen, Bauwerken und Plätzen werden im Stadtraum als besonders angenehm empfunden, weil sie dem Fassungsvermögen unserer Sinne entsprechen. Ein Beispiel hierfür sind die Fassadenabfolgen der historischen, gründerzeitlichen Stadt mit ihren alle 10-20 Meter wechselnden, detailreich gestalteten Häusern. Eine Studie in Kopenhagen zeigt, dass aktive Fassadenbereiche (anziehende) sieben Mal mehr Interaktionen von Menschen als passive (abweisende) Fassaden herbeiführen. Ziel ist es zu verhindern, dass Bauwerke in lebendigen Straßen wie eine Mauer oder eine lange Wiederholung von Fensterraster wirken und damit dem Betrachter jeglichen Maßstab nehmen und damit eine unpersönliche, kühle und nüchterne Stimmung erzeugen.

Weiterhin müssen besonders im überwärmten Teil der Stadt (siehe Planungshinweiskarte Stadtklima) Großgrün, Dach- und Bauwerksbegrünung selbstverständlicher als bisher Teile der baulichen Qualität werden. Damit werden Aufenthalts- und Lebensqualität der Stadt auch im Klimawandel gestärkt.

Dachlandschaft:

In der öffentlichen Debatte von Architektur in Dresden hat es zuletzt eine Zuspitzung der Frage, ob Neubauten mit einem flachen oder geneigten Dach gebaut werden sollen. Insbesondere der ungestaltete Abschluss der oberen Gebäudekanten wurde kritisiert. Aus diesem Grund wird es als sinnvoll erachtet, Zielvorstellung für eine gestaltete Dachlandschaft zu entwickeln und anhand von Beispielen verschiedene Wege zur aktiven Gestaltung des Gebäudeabschlusses aufzuzeigen, wobei dies ausdrücklich auch neuartige und ungewöhnliche Formen beinhalten kann.

Gestaltung von Eckgebäuden:

Eckgebäude an Straßenkreuzungen besitzen eine besondere Bedeutung, da sie den Eingang in ein Stadtviertel oder einen Straßenabschnitt markieren. Sie werden deswegen gerne betont. Eine häufig gewählte Möglichkeit hierzu ist die Erhöhung des Gebäudes, zum Beispiel durch Türme oder zusätzliche Geschosse. Gestaltungselemente wie Abschrägungen bilden eine Geste der offenen Arme und verleihen den Straßenkreuzungen Platzcharakter. Es ist politisch gewünscht, dass Eck- und Eingangssituation sich auch weiterhin von den dahinterliegenden Gebäuden absetzen, betont und ansprechend gestaltet werden.

André Schollbach
Fraktion DIE LINKE.

Christiane Filius-Jehne
Thomas Löser
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Dana Frohwieser
SPD-Fraktion