Umgestaltung des Gedenkobelisken in Dresden-Nickern

ANTRAG – Interfraktionell:
Fraktion DIE LINKE, Bündnis 90/DIE GRÜNEN, SPD-Fraktion

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Beschlussvorschlag:

Der Oberbürgermeister wird beauftragt:

1. Die Inschrift des Obelisken so umzugestalten, dass sie sowohl die Erinnerung an die
Toten des Zweiten Weltkrieges als auch die kritische Auseinandersetzung mit den Ursachen für Krieg und Vernichtung ermöglicht.

2. Für die Umgestaltung der Inschriften Variantenvorschläge zu erarbeiten und diese dem
Ortsbeirat Prohlis, dem Ausschuss für Kultur und dem Stadtrat zur Entscheidungsfindung und dem Stadtrat zur Beschlussfassung vorzulegen.

Beratungsfolge:

Ältestenrat nicht öffentlich beratend
Dienstberatung des Oberbürgermeisters nicht öffentlich zur Information
Ausschuss für Kultur und Tourismus nicht öffentlich 1. Lesung (federführend)
Ortsbeirat Prohlis öffentlich beratend
Ausschuss für Kultur und Tourismus nicht öffentlich beratend (federführend)
Stadtrat öffentlich beschließend

Begründung:

„Der Obelisk am Nickerner Dorfplatz wurde 1920 ursprünglich als Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs aufgestellt. Nach 1945 war zunächst seine Beseitigung geplant, bevor man sich entschied, das Denkmal in eine Erinnerungsstätte für die Opfer des Luftangriffs vom 13. Februar 1945 umzuwandeln. In diesem Zusammenhang brachte man an den Seiten veränderte Inschriften an.“ (vgl. www.dresdner-stadtteile.de/Sudost/Nickern/Strassen_Nickern/strassen_nickern.html)

Die aktuelle Inschrift zum „Gedenken an die Opfer des anglo-amerikanischen Bombenterrors“ verzerrt die Sicht auf die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg auf Dresden. Die Luftangriffe können als singuläres Ereignis und nicht als Folge der Ereignisse im Zweiten Weltkrieg interpretiert werden. Die Ursachen des Krieges, der vom faschistischen Deutschland ausging, werden völlig ignoriert. Das ist ein ahistorischer Umgang mit Ereignissen.

Das ist sicher eine der Ursachen dafür, dass diese Gedenkobelisk zum Ziel rechter Gedenkkultur werden konnte, zu einem Ort wo rechtsradikale Gruppen und Parteien, von freien Kameradschaften bis zur NPD, ihre menschenverachtende Ideologie propagieren und sich in einer gemeinschaftlichen Opferrolle darstellen konnten. Sie haben diesen Obelisken für sich zum Pilgerort gemacht, um ihre geschichtsverfälschende Interpretation von der „Bombardierung der unschuldigen Stadt“ und des „Bombenholocausts“ am 13. Februar 1945 zu propagieren.

Mit der Umgestaltung des Obelisken soll deshalb außerdem das Ziel verfolgt werden, diesen faschistischen Kräften eine Pilgerstätte zu nehmen und den Obelisken mit einer aktuellen Erinnerungskultur zu verbinden. Diese Erinnerungskultur soll sowohl die aktive Auseinandersetzung mit Geschichte als auch den Bezug zum aktuellen Handeln ermöglichen, welches einen Beitrag zur Sicherung des Friedens in Europa und dessen Wiederherstellung weltweit leisten kann.

André Schollbach
Fraktion DIE LINKE.

Christiane Filius-Jehne
BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN

Christian Avenarius
SPD-Fraktion

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