Teilweise eingestürzte Carolabrücke in Dresden

Bauausschuss für Carolabrücke in Autobahnbreite – Expertenrat wird ignoriert

Auf seiner gestrigen Sitzung hat der Bauausschuss des Dresdner Stadtrats ein Vor-Votum über den Wiederaufbau der Carolabrücke getroffen. Final wird darüber der Stadtrat am Donnerstag entscheiden. Trotz anderslautender Empfehlungen zahlreicher Dresdner Verkehrswissenschaftler – darunter auch der ehemalige Amtsleiter Reinhard Koettnitz – schrieb eine Mehrheit aus CDU, AfD, TZ, FDP/FB und BSW gegen Grüne, SPD, Linke und PVP eine vierspurige Ausführung einer neuen Carolabrücke fest. Durch neue Standards z.B. bei Spurbreiten und Radverkehrsanlagen würde eine neue Brücke mit vier Auto-Spuren statt 33 Meter nun etwa 41 Meter Breite erreichen. Sie hätte damit fast die Dimension der Autobahnbrücke der A4 mit 43 Metern Breite.

Zudem sind Mehrkosten in zweistelliger Millionenhöhe zu erwarten, die bisher nirgends einkalkuliert sind. Da der Beschluss eines Ausschusses eine umfassendere Beteiligung des Stadtrats vorsieht, wird sich der frühestmögliche Baubeginn einer neuen Carolabrücke von 2027 auf 2028 verschieben. Zudem lehnte der Ausschuss auch die Forderung der SPD-Fraktion ab, den Standort des früheren Venezianischen Hauses am Terrassenufer freizuhalten, um trotz neuer Brücke einen Wiederaufbau zu ermöglichen.

Dazu erklärt Stefan Engel, stellvertretender Vorsitzender und verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion:

Es ist haarsträubend, wie der Rat der Dresdner Verkehrswissenschaft ignoriert wird. Es sollte dem Stadtrat zu denken geben, wenn sich selbst ehemalige Amtsleiter gegen eine übermäßig große Brücke wenden. Eine vierspurige Brücke ist überdimensioniert und erreicht Autobahnbreite. Der Stadtrat sollte am Donnerstag zur Vernunft kommen. Wie die Zusatzkosten einer über 40 Meter breiten Brücke gedeckt werden sollen, konnte noch niemand erklären. Dresdens Haushalt ist angespannt und da verbieten sich ideologiegetriebene Zusatzausgaben.
Es wäre doch auch denkbar, auf jede Vorfestlegung zu verzichten und die Planungsbüros noch mal intensiv prüfen zu lassen. Bisher deuten alle Untersuchungen darauf hin, dass der Autoverkehr selbst bei einer dreispurigen Variante noch ausreichend Reserven hat.

Es ist ein fatales Signal, wie leichtfertig die rechte Ratsseite eine Verschiebung des Baubeginns auf frühestens 2028 vornimmt. Wer schnell bauen will, muss auch den Prozess schlank halten. Eine neue Carolabrücke könnte zudem den Standort des früheren Venezianischen Hauses am Terrassenufer verbauen. Es ist unverständlich, warum man hier nicht für Klarheit in der Aufgabenstellung sorgt.

 

Kontakt:

Stefan Engel
Sprecher für Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Allgemeine Verwaltung
Stadtrat für Pieschen
stefan.engel@spd-fraktion-dresden.de