Am 7. Juli hat sich das Expertengremium zum Wiederaufbau der Carolabrücke unter Professor Steffen Marx nochmals zu Wort gemeldet. In ihrem Statement stellt das Gremium dar, dass die Brückenentwürfe von GRASSL GmbH/gmp Architekten, FHECOR Deutschland GmbH/TSSB Planungsgesellschaft und LAP/Knight Architects in gleicher Höhe anzusetzen sind und sehr nahe der Kostenobergrenze der Landeshauptstadt von 140 Millionen Euro liegen. Da die Stadt für das Projekt kaum Fördermittel erhalten wird, erfolgt die Finanzierung zum Großteil aus neuen städtischen Schulden im Rahmen des sogenannten „Brückenfonds“.
Laut den Experten besteht schon jetzt ein „hohes Risiko“, dass im weiteren Planungs- und Realisierungsprozess eine Überschreitung des Kostenrahmens erfolgt. Zudem erzeugen die bisherigen Entwürfe mit ihren Breiten über viele Jahrzehnte erhebliche Instandhaltungskosten. Das Expertengremium schlägt daher eine Reduzierung der Fahrspuren vor, die 25 bis 30 Millionen Euro Investitionskosten und Aufwendungen bei der Instandhaltung sparen würde.
Dazu erklärt Stefan Engel, stellv. Vorsitzender der SPD-Fraktion:
„Der Stadtrat muss die Kostenwarnung des Expertengremiums ernst nehmen. Die neue Carolabrücke wird fast vollständig aus neuen Schulden finanziert. Eine Überschreitung des Kostenrahmens zeichnet sich schon jetzt ab. Wer jetzt aus ideologischen Gründen besonders breit bauen will, handelt fahrlässig. Die Verkehrswissenschaft an der TU Dresden hat klar bestätigt, dass es keine vier Spuren braucht. Entscheidend sind leistungsfähige Knotenpunkte am Carola- und Rathenauplatz. Dresden ist in einer dramatischen Finanzsituation. Wie sollen Abstriche an anderer Stelle vermittelt werden, wenn bei der Carolabrücke eine Freibier-Mentalität herrscht? Während an an anderer Stelle über ein paar zehntausend Euro gestritten wird, soll hier ein zweistelliger Millionenbetrag zusätzlich ausgegeben werden. Verantwortungsvolle Verkehrs- und Finanzpolitik schaut anders aus. Auch der Oberbürgermeister muss hier endlich Farbe bekennen.“
Hintergrund:
Auszug aus dem Schreiben von Prof. Marx im Namen des Expertengremiums:
„Nach Auffassung des Expertengremiums besteht darüber hinaus ein hohes Risiko, dass zukünftige Baukostensteigerungen (Inflation) und die weitere Detaillierung des Entwurfs in den nachfolgenden Planungs- und Realisierungsphasen zu höheren tatsächlichen Kosten und damit zu einer Überschreitung des vorgegebenen Kostenrahmens führen werden. Außerdem entstehen für die Landeshauptstadt für viele Jahrzehnte hohe Kosten in der Instandhaltung, die nahezu linear abhängig von der realisierten Brückenfläche sind.
Die Baukostenrisiken können durch eine Reduzierung der Anzahl der Fahrspuren um ca. 25 bis 30 Mio. € reduziert werden. Hinzu kommen geringere langfristige Kosten in der Instandhaltung. Alle Brückenentwürfe gestatten eine solche Reduzierung, ohne dass die vorgelegten Entwurfskonzepte deshalb grundsätzlich modifiziert werden müssten.“
Stefan Engel
Sprecher für Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Allgemeine Verwaltung
Stadtrat für Pieschen
stefan.engel@spd-fraktion-dresden.de